Girokonto: Dispozinsen sind immer noch viel zu hoch
| lsc

Ein fairer Dispozins liegt laut Stiftung Warentest deutlich unter zehn Prozent.
Um ein Vielfaches teurer ist die Überziehung des Girokontos bei der Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut. Sie ist mit einem bonitätsabhängigen Dispozins zwischen 7,50 und 16,00 Prozent die Bank mit dem teuersten Dispo. Den zweithöchsten Zinssatz fanden die Warentester bei der Raiffeisenbank Wallgau-Krün. Abhängig von der Bonität des Kunden kann er zwischen 6,25 und 13,25 Prozent liegen. Die Raiffeisenbank Unterwesterwald belegt Platz drei mit einem bonitätsabhängigen Zinssatz von 12,49 bis 13 Prozent.
Ein fairer Dispozins liegt laut Stiftung Warentest deutlich unter zehn Prozent. Insbesondere in der derzeitigen Niedrigzinsphase müssten die Dispozinsen niedriger sein, schließlich können sich Banken selbst günstig Geld von der EZB borgen. Dementsprechend sollten nicht nur Ratenkredite, sondern auch Dispokredite billiger werden. Beim Überziehungszins, den Verbraucher zahlen müssen, wenn sie ihr Konto über den Überziehungsrahmen hinaus belasten, haben viele Banken bereits gehandelt: Nur noch die Hälfte der insgesamt 1.472 befragten Institute erheben noch Überziehungszinsen.
Mangelnde Transparenz: völlig unklare Angaben zur Zinshöhe
Die „völlig unklaren Angaben zur Zinshöhe“ ärgern die Warentester besonders. Appelle von Politik, Bankenverbänden und Verbraucherschützern, die genaue Höhe des Dispozinses in der Filiale und auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen, würden Banken zum Teil vorsätzlich ignorieren.
Dass der Dispozinssatz wie ein Staatsgeheimnis gehütet werde, bestätige auch die diesjährige Umfrage. Gut zwei Drittel der befragten Banken verweigerten die Auskunft bezüglich der Zinshöhe. Insbesondere die elf teuersten unter ihnen nannten auch in diesem Jahr ihren Zinssatz nicht freiwillig. Um die Höhe der Zinsen herauszufinden, schickte man letztendlich Tester in die Bankfilialen. Kreditinstitute sind verpflichtet, dort Preisaushänge auszulegen. Dennoch schafften es die Tester bei drei Banken nicht, den Prozentsatz des Dispos ausfindig zu machen.
Ein neues Gesetz soll laut Bundesjustizminister Heiko Maas die Geldhäuser dazu verpflichten, alle Girokontogebühren auf ihren Internetseiten zu veröffentlichen. Das soll bewirken, dass der Konkurrenzdruck steigt. Eine Deckelung der Dispozinsen, wie sie von vielen Verbraucherschützern gefordert wurde, wird es nicht geben.
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