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BaFin-Chefin: Kostenlose Girokonten und Kreditkarten nicht wirtschaftlich

| bme

Bankenviertel in Frankfurt am Main

Bankenviertel in Frankfurt: Deutsche Kreditinstitute bieten Girokonten und Kreditkarten meist kostenlos an.

Kostenlose Girokonten, Depots oder Kreditkarten entsprechen beim derzeitigen Niedrigzinsniveau keiner wirtschaftlichen Logik. Das sagte die Elke König, die Chefin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einem Bericht der Online-Ausgabe der Zeitung „Welt“ am Donnerstag. Zudem sollten die Banken über ihre „Präsenz in der Fläche“ nachdenken – was von den Medien als Aufforderung zur Schließung weiterer Filialen interpretiert wurde.
Für die deutschen Banken zähle das derzeit niedrige Zinsniveau zu den größten Herausforderungen. Traditionell mache der Zinsüberschuss rund 70 Prozent der operativen Erträge der deutschen Geldinstitute aus und sei damit die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle, so König weiter. Unter anderem aus diesem Grund würden die deutschen Banken in punkto Profitabilität im internationalen Vergleich keine Traumnoten erzielen – und das sei „schon höflich gesagt“ wie König der Welt zufolge ergänzte. Auch das sogenannte Cross-Selling – wenn etwa an Kunden eines kostenlosen Girokontos ein Kredit vermittelt wird - würde das Problem nicht immer lösen.

Vielmehr sollten die Geldinstitute für ihre Dienstleistungen risiko- und kostengerechte Preise verlangen. Diese seien wegen des hohen Wettbewerbs hierzulande jedoch häufig nicht durchsetzbar. Die BaFin-Chefin mahnte die Geldinstitute zudem, keine zu risikoreichen Geschäfte abzuschließen. Fusionen könnten helfen, seien aber kein Allheilmittel, da die viel beschworenen Synergieeffekte oft allzu flüchtig seien, so König weiter.

König leitet seit drei Jahren die BaFin, wechselt jedoch Ende Februar zur neu geschaffenen europäischen Behörde zur Abwicklung von Krisenbanken (Single Supervisory Mechanism – kurz SSM) nach Brüssel. Der SSM stellt neben dem Abwicklungsmechanismus (SRM) und der Einlagensicherung (DGS) eine der drei Säulen der Europäischen Bankenunion dar. Die scheidende BaFin-Chefin betonte in ihrer Neujahrsrede auch, dass man sich künftig von dem sogenannten „Bail out“ – also einer Haftungsübernahme durch den Staat - verabschieden werde. Den Banken müsse klar sein, dass der Staat sie nicht auffangen werde, wenn ihr Geschäftsmodell versage. Das marktwirtschaftliche Grundprinzip der Haftung müsse auch für sie gelten.