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Publikationen aus dem Bereich Tagesgeld

Tagesgeldabschlüsse von 2011 bis 2013: Generation 60+ auf der Überholspur

Im Zuge der Wirtschaftskrise unterlagen die Sparzinsen in den vergangenen drei Jahren starken Schwankungen. So schlossen CHECK24-Kunden im Jahr 2011 (September bis Dezember) zu einem durchschnittlichen Zinssatz von 2,65 Prozent Tagesgeldkonten ab. 2012 sank der Durchschnittszins auf 2,27 Prozent (Januar bis Dezember) und 2013 auf lediglich 1,66 Prozent (Januar bis September).

Quelle: CHECK24 (0800 – 755 455 454) Stand: 01.11.2013 (alle Angaben ohne Gewähr) | fre

Anhand der von September 2011 bis September 2013 getätigten Abschlüsse analysierte CHECK24 die Bereitschaft der verschiedenen Altersgruppen, zum jeweiligen Zinsniveau ein Tagesgeldkonto zu eröffnen. Das Ergebnis: Im Verlauf der drei Jahre nahm der Anteil der Silver Surfer (Kunden über 50 Jahre) kontinuierlich zu, während sich die jüngeren Generationen vorwiegend hohe Zinsen und Neukundenprämien zunutze machten.

Im Rahmen der Analyse sollten folgende Fragen beantwortet werden:

Um eine Vergleichbarkeit der Daten zu gewährleisten, sind diese nach der Gesamtanzahl der Abschlüsse sowie nach dem Bevölkerungsanteil gewichtet.


In welcher Altersgruppe wurden die meisten Tagesgeldkonten abgeschlossen?

Die folgende Grafik zeigt die Anteile der verschiedenen Altersgruppen an der Gesamtzahl der Abschlüsse im jeweiligen Jahr:

Tagesgeldabschlüsse 2011,2012 und 2013 verteilt Altersgruppen auf CHECK24

Altersgruppe 18-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70-79 80+
Anteil an der Gesamtbevölkerung 2,07% 12,16% 11,89% 16,50% 14,63% 10,92% 10,31% 5,38%
Anteil an der Gesamtzahl der Abschlüsse 2011 1,22% 14,80% 19,81% 24,48% 19,95% 14,40% 4,67% 0,66%
Anteil an der Gesamtzahl der Abschlüsse 2012 1,44% 17,05% 20,28% 21,54% 19,01% 14,46% 5,32% 0,91%
Anteil an der Gesamtzahl der Abschlüsse 2013 0,98% 14,05% 18,60% 19,23% 20,36% 18,23% 7,33% 1,22%

Anteil der Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung und der Gesamtzahl der Abschlüsse.


2011 und 2012 stammten die meisten Abschlüsse aus der Altersgruppe der 40- bis 49-jährigen (24,48 Prozent bzw. 21,54 Prozent). Anders sah es im Jahr 2013 aus: Hier wurden die meisten Tagesgeldkonten von den 50- bis 59-jährigen abgeschlossen (20,36 Prozent). Der Anteil der 40- bis 49-jährigen an der deutschen Gesamtbevölkerung beträgt 16,5 Prozent – der der 50- bis 59-jährigen 14,36 Prozent. Folglich tätigten beide Altersgruppen überdurchschnittlich viele Abschlüsse.

Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil (11,98 Prozent) war 2011 und 2012 jedoch die Altersgruppe der 30- bis 39-jährigen bei den Tagesgeldabschlüssen am stärksten vertreten (19,81 Prozent bzw. 20,28 Prozent). 2013 waren es dagegen die 60- bis 69-jährigen (18,32 Prozent bei einem Bevölkerungsanteil von 10,92 Prozent).
 

… und in welcher Altersgruppe die wenigsten?

Die wenigsten Konten wurden in allen drei Jahren von den über 70-Jährigen Kunden abgeschlossen (5,33 Prozent, 6,23 Prozent und 8,55 Prozent), obwohl ihr Gesamtbevölkerungsanteil immerhin bei 15,69 Prozent liegt.

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die fünf Altersgruppen von 20 bis 69 Jahren im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil überdurchschnittlich viele Tagesgeldkonten abschließen. Die 18- bis 19-Jährigen sowie alle Kunden über 70 sind dagegen unterdurchschnittlich vertreten.

  18-19 20-69 70+
Anteil an der Gesamtbevölkerung 2,07% 66,09% 15,69%
2011 Tagesgeldabschlüsse 1,22% 93,45% 5,33%
Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 0,59 1,41 0,34
2012 Tagesgeldabschlüsse 1,44% 92,33% 6,23%
Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 0,69 1,40 0,40
2013 Tagesgeldabschlüsse 0,98% 90,48% 8,55%
Verhältnis zur Gesamtbevölkerung 0,47 1,37 0,54

Anteil der Altersgruppen an den Abschlüssen im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil


 
Wie lässt sich diese Verteilung erklären?

Die relativ geringe Anzahl an älteren Kunden dürfte sich dadurch erklären lassen, dass Tagesgeldkonten bei CHECK24 ausschließlich online abgeschlossen werden können. Bei den älteren Generationen ist die Onlineaffinität allerdings deutlich weniger stark ausgeprägt als bei den jüngeren. So nutzten im Jahr 2012 beispielsweise 97,1 Prozent der 20- bis 29-Jährigen Bundesbürger das Internet. Bei den 60- bis 69-Jährigen waren es nur 60,4 Prozent und bei den über 70-Jährigen mit 28,2 Prozent noch deutlich weniger.*


Wie entwickelte sich die Kundenstruktur im schwankenden Zinsumfeld?

Ältere Generation – die Sicherheitsbewussten

Die älteren Kunden („Silver Surfer“) haben über die Jahre hinweg anteilsmäßig zugenommen. Beispielsweise stieg der Anteil der Altersgruppe 70-79 von 2011 bis 2012 von 4,67 Prozent auf 5,32 Prozent an. Im Jahr 2013 erfuhr diese Altersklasse einen erneuten Anstieg, der mit 2,01 Prozentpunkten noch deutlicher ausfiel. Auch die 60- bis 69-Jährigen verzeichneten von 2011 bis 2013 einen deutlichen Anstieg von 14,40 Prozent auf 18,23 Prozent.
 

Entwicklungskurve der Tagesgeldkonten der Gruppen 60+ und 70+ auf CHECK24

 
Wie kam diese Entwicklung zustande?

Dem (N)Onliner Atlas 2012* zufolge nutzten im Jahr 2012 28,2 Prozent der über 70-Jährigen das Internet – 2011 lag der Anteil mit 24,6 Prozent noch deutlich niedriger. Diese Zahlen lassen vermuten, dass sich immer mehr ältere Menschen online informieren und ihr Tagesgeldkonto über das Internet abschließen, bzw. sich von Verwandten und Bekannten dabei helfen lassen.

Zudem wickeln auch Senioren ihre Bankgeschäfte mittlerweile gerne am Computer ab. Gemäß einer aktuellen Studie des Bankenverbandes** nutzen bereits 40 Prozent der 60- bis 69-Jährigen die Vorteile des Onlinebankings. Bei älteren Menschen ab 70 sind es immerhin zehn Prozent.

Viele Silver Surfer wollen zudem keine großen Risiken mehr eingehen und legen Ihr Geld dementsprechend eher sicherheits- anstatt renditeorientiert an. Aufgrund der garantierten Einlagensicherung und hoher Flexibilität stellt Tagesgeld – auch in Zeiten niedriger Zinsen – deshalb die ideale Anlageform dar.


Junge Generationen – die Opportunisten

Tagesgeldabschlüsse der 18 und 19 jährigen auf CHECK24

Während die älteren Kunden einen kontinuierlichen Anstieg erfuhren, stieg der Anteil junger Kunden nur von 2011 bis 2012 an und sank 2013 wieder ab. So tätigten die 18- bis 29-Jährigen im Jahr 2011 16,02 Prozent und 2012 18,49 Prozent der Abschlüsse – 2013 reduzierte sich ihr Anteil wieder auf 15,03 Prozent.

 
Wie kam diese Entwicklung zustande?

In den Jahren 2011 und 2012 waren nicht nur die Zinsen verhältnismäßig hoch (2,65 Prozent bzw. 2,27 Prozent). Die Banken zeigten sich zudem besonders spendabel und boten Neukunden für die Eröffnung eines Tagesgeldkontos attraktive Prämien zwischen 20 und 50 Euro. In diesem Zeitraum schienen es vermehrt junge Kunden zu sein, die sich die lukrativen Zinsen und Sondergutschriften nicht entgehen lassen wollten.

Anfang 2013 beendeten die Tagesgeldbanken ihre Prämienaktionen und senkten infolge der Leitzinssenkungen im Juli 2012 und im Mai 2013 kontinuierlich ihre Zinsen. Viele junge Kunden ließen sich möglicherweise von den schlechteren Konditionen abschrecken und wechselten zu anderen Sparprodukten. Eine aktuelle repräsentative Umfrage von Comdirect*** zeigt zudem, dass immer mehr junge Sparer (34 Prozent der 18- bis 29-Jährigen) ihr Geld zu Hause aufbewahren, anstatt es auf ein Konto einzuzahlen.


Und die übrigen Altersklassen?

Obwohl es natürlich auch hier Schwankungen gab, blieb der Anteil der Kunden im mittleren Alter (30-59 Jahre) relativ konstant. Hier tanzten lediglich die 40- bis 49-Jährigen aus der Reihe, deren Anteil von 24,48 Prozent (2011) auf 21,54 Prozent (2012) deutlich zurückging – angesichts des attraktiven Zinsniveaus im Jahr 2012 eine überraschende Entwicklung.


Gibt es innerhalb der Altersgruppen Unterschiede zwischen Männern und Frauen?

Unabhängig vom Alter waren es in den Jahren 2011, 2012 und 2013 stets mehr Männer als Frauen, die bei CHECK24 online ein Tagesgeldkonto abschlossen. In allen drei Jahren fiel die Geschlechterdifferenz in der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen am stärksten aus. Im Jahr 2012 waren beispielsweise 70,11 Prozent der Kunden männlich und nur 29,89 Prozent weiblich. Auf Platz zwei lagen – ebenfalls in allen drei Jahren – die 60- bis 69-Jährigen. In dieser Altersgruppe waren 2012 65,92 Prozent der Tagesgeldkunden Männer und nur 34,08 Prozent Frauen.

Tagesgeldabschlüsse 2011,2012 und 2013 verteilt nach Geschlecht und Altersgruppe

Beispiel 2012: Abschlüsse nach Altersgruppen und Geschlecht

Altersgruppe 18-19 20-29 30-39 40-49 50-59 60-69 70-79 80+
Anteil Männer 2011 58,22% 63,62% 66,47% 64,92% 63,24% 68,66% 77,14% 63,29%
Anteil Frauen 2011 41,78% 36,38% 33,53% 35,08% 36,76% 31,34% 22,86% 36,71%
Anteil Männer 2012 57,31% 62,05% 62,72% 61,14% 60,27% 65,92% 70,11% 53,69%
Anteil Frauen 2012 42,69% 37,95% 37,28% 38,86% 39,73% 34,08% 29,89% 46,31%
Anteil Männer 2013 59,77% 61,16% 64,94% 63,67% 60,53% 68,24% 73,53% 56,31%
Anteil Frauen 2013 40,23% 38,84% 35,06% 36,33% 39,47% 31,76% 26,47% 43,69%

Anteil der weiblichen und männlichen Kunden gemessen an der Gesamtzahl der Abschlüsse.


Bei der Generation 80+ geht die Geschlechterdifferenz wieder zurück. Hier waren 2012 immerhin 46,31 Prozent der Kunden weiblich und nur 53,69 Prozent männlich. Damit weist diese Altersgruppe – auch in den Jahren 2011 und 2013 – die geringste Geschlechterdifferenz auf.

Auch bei den jüngsten Kunden (18-19) gibt es nur einen verhältnismäßig geringen Unterschied zwischen den Geschlechtern: In dieser Altersgruppe schlossen 2012 57,31 Prozent Männer und 42,69 Prozent Frauen ein Tagesgeldkonto bei CHECK24 ab.


 
Wie lässt sich diese Geschlechterdifferenz erklären?

In Partnerschaften scheint es nach wie vor in erster Linie der Mann zu sein, der sich um die finanziellen Belange kümmert. Bei den älteren Kunden ist diese konservative Rollenverteilung noch am stärksten ausgeprägt. Dass die Geschlechterdifferenz in der Generation 80+ wieder abnimmt, lässt sich dadurch erklären, dass die Partner einiger Kundinnen bereits verstorben sind – denn die Lebenserwartung der Männer liegt im Schnitt niedriger als die der Frauen. 2012 erreichte der weibliche Teil der deutschen Bevölkerung ein Durchschnittsalter von 81,3 Jahren – der männliche wurde im Schnitt nur 74,2 Jahre alt.

Bei den sehr jungen Kunden kommt die geringe Differenz zwischen den Geschlechtern vermutlich dadurch zustande, dass viele von ihnen noch ledig sind. Dementsprechend schließen Frauen eigenständig Tagesgeldkonten ab und überlassen dies nicht ihren Partnern.


Auffällig ist, dass die Geschlechterdifferenz von 2011 bis 2012 stark abgenommen hat. In der Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen waren 2011 beispielsweise 64,92 Prozent der Kunden Männer und nur 35,08 Prozent Frauen. 2012 sank der Anteil der Männer auf 61,14 Prozent, während der der Frauen auf 38,86 Prozent stieg. Am deutlichsten wird dieser Trend bei den älteren Kunden: In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen tätigten 2011 77,14 Prozent Männer und 22,86 Prozent Frauen einen Abschluss – 2012 waren es 70,11 Prozent Männer und 29,89 Prozent Frauen. Außer bei den 20- bis 29-Jährigen stieg die Differenz 2013 wieder an. Den ursprünglichen Wert erreichte sie jedoch – mit Ausnahme der Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen – nicht mehr.


 
Wie kam dieser Trend zustande?

Möglicherweise sind die Frauen etwas später auf den Tagesgeld-Zug aufgesprungen und haben sich erst einige Monate nach den Männern von den hohen Zinsen und attraktiven Prämien locken lassen. Dass die Geschlechterdifferenz 2013 wieder anstieg könnte ein Indikator dafür sein, dass Frauen in erster Linie gute Konditionen nutzen wollen und angesichts der aktuell eher niedrigen Zinsen das Interesse verlieren – folglich verhalten sich weibliche Kunden opportunistischer als männliche.


* Quelle: http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/2012/06/NONLINER-Atlas-2012-Basiszahlen-f%C3%BCr-Deutschland.pdf

** Quelle: http://bankenverband.de/presse/presse-infos/senioren-beim-onlinebanking-auf-dem-vormarsch

*** Quelle: http://www.comdirect.de/cms/ueberuns/de/presse/cori1088_0905.html

Hinweis: Trotz gewissenhafter Recherche kann die Richtigkeit und Aktualität der Angaben nicht garantiert werden.