Elektromobilität

Abzocke an der Ladesäule?

aktualisiert am 02.05.2017
Foto: Volkswagen

Als ein großer Vorteil der Elektromobilität werden die geringen laufenden Kosten genannt. Das stimmt nicht immer, zeigt ein Test von autobild.

Das Aufladen des Akkus eines Elektroautos an einer öffentlichen Ladesäule kann demnach doppelt so teuer sein wie das Tanken von Sprit für die gleiche Reichweite.

Im Test wurde ein Elektro-Golf mit Strom für eine Tour von 100 Kilometern geladen. Der Vergleichswagen, ein Golf TSI, benötigte für die Strecke Kraftstoff im Tageswert von 9,65 Euro.

Elektroauto lädt vier Stunden

Um die benötigte Energie aufzunehmen, musste der Elektro-Pkw vier Stunden an der Ladestation verbringen.

Das Problem: Am gewählten öffentlichen Ladepunkt wird nach Zeit (pro angefangener Stunde) und nicht nach Kilowatt abgerechnet.

Die Stromsäule hätte den Wechselstrom zwar deutlich schneller einspeisen können (Standard sind bis zu 22 Kilowatt pro Stunde). Der Wagen kann aber nicht so viel auf einmal aufnehmen.

Laut autobild schafft das aktuelle Elektro-Golfmodell nur magere 3,7 Kilowatt pro Stunde. Deshalb betrug die Stromrechnung am Ende des Ladevorganges 19,80 Euro.

Auch Schnelllader teuer

Andere Ladesäulen versorgen Elektroautos mit bis zu 50 Kilowatt Gleichstrom pro Stunde. Meist gehört der dafür benötigte Schnelllade-Adapter für den Stromer nicht zur Grundausstattung und muss separat geordert werden.

Im Test war der Elektro-Golf für die 100-Kilometer-Strecke damit in 24 Minuten geladen. Die Kosten beliefen sich auf 11,55 Euro – und lagen damit immer noch leicht über den Benzinkosten.

An der eigenen Ladebox ist der Strom zwar tendenziell billiger. Allerdings müssen hier auch die Anschaffungskosten für die private Stromzapfanlage mit einkalkuliert werden. Die beginnen bei 600 Euro aufwärts.

Die Kfz-Redaktion meint

Der Test zeigt durchaus ein Problemfeld auf. Die Stadt Berlin als Betreiber der Säulen hat reagiert und will das Zeitkonzept verfeinern. Abgerechnet werden soll künftig minutengenau.

Das Thema lässt sich aber auch anders herum aufziehen. Wird der Testwagen an einer kostenlosen Ladesäule befüllt, wie sie zum Beispiel auf den Parkplätzen mancher Supermärkte und Banken stehen, fällt die finanzielle Bilanz plötzlich zugunsten der Elektromobilität aus. Null Euro auf 100 Kilometer kann selbst die billigste Tankstelle nicht schlagen.

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Sascha Rhode

Redakteur Sascha Rhode

Schreibt, seit er lesen kann. Seit 2012 ist er für CHECK24 auf Mission Kfz unterwegs. Privat steht er auf altes Eisen – auf vier wie zwei Rädern.

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